Montag, 14. Juni 2010

My Hood is looking Good

und wie...!

Ist ja nicht so, dass ich mich Partytiger nennen würde. Eher Sofasurfer oder Couchpotato. Aus meiner Abneigung gegen Menschen und was sie im Ausgang so tun (menscheln) kann ich auch schon lange keinen Hehl mehr machen. Es hat mich einfach nicht mehr da in die grosse Wildnis gezogen. Zu all den Singles die umsverrecken einen Geschlechtspartner suchen und verheirateten Jungvätern die einfach nur mal abschalten (zudröhnen) wollen. Deshalb sind Abende in meinem Leben, die ich unter Menschen verbringe selten geworden. So selten, dass ich (siehe Posts Dezember) im kompletten Jahr 2009 mehr beim Zahnarzt, als im Ausgang war. 

Wenns mich dann aber mal nach draussen zieht, dann muss das schon verdammt gute Gründe haben. Ich kann mich gar nicht mehr errinnern, wann ich das letzte Mal im Vorverkauf Tickets geholt habe um umbedingt an einer Sause dabei zu sein - dieses Mal habe ich es aus reinem Lokalpatriotismus getan. Ich meine - was denken denn all die auswärtigen Besucher über Aarau, wenns da keine Aarauer gibt, die auch Lärm machen bis sie heiser sind? Ausserdem habe ich eine ausgesprochene Liebe zu Schweizer Rap, welcher ich an diesem Abend natürlich zu Genüge nachkommen konnte. 

Demenstprechend war ich gut gelaunt und etwas hibbelig, ich wollte ja genug früh da sein um die Schweizer Acts nicht zu verpassen. Um 17.00 Uhr begann DJ Vertigo mit der musikalischen Untermalung des Abends, leichtfüssig dribbelte ich mich um die wenigen Verteider der soeben eröffneten Bar und schmiss mich an einen Barkeeper erster Güte. Nach kurzen Vehandlungen waren der zu investierende Betrag und der daraus resultierende Preis für einen Rum on the Rocks ausgehandelt und wurde fortan schon von weitem erkannt, wenn ich mich der Theke nähern wollte. Ganz nach meinem Geschmack. Ich begab mich vor die Tribüne wo Benji Bonus und Chilli Mari den Abend eröffneten. Zwei gut ausgewählte Host's die das Quartier zum Strahlen brachten. Verschiedene Schweizer Rapcrews, wie HTC & Süde, der Tiggr, die Meauns Klikke, Rappas, sowie das Rappack wärmten die Meute auf und liessen auf mehr hoffen. Nach Ankündigung von Mano Dio und Chilli Mari füllte sich der Platz vor der Tribüne, technische Schwierigkeiten mit dem Tod des Vinyls (Serato) verzögerten den Auftritt der Beiden Local Heroes. Souverän konnten sie mit Accapellas von Tracks des bald erscheinenden Albums "Alpha & Omega" die Leute bei Laune halten und mit auch ein guter Moment um sich mal ganz auf die Texte konzentrieren zu können. Nachdem der Sound lief, konnten die beiden ihr 15 minütiges Showcase nachliefern und die Menge wurde nicht enttäuscht - einzig die Anlage war ein Wermutstropfen, irgendwie fehlte es während ihres Auftrittes ein bisschen an Bass... Ruckzuck gings dann aber weiter, der Aarauer Produzent Septass feierte seine Plattentaufe mit vielen coolen Acts und liess von seinen Jungs, die auf 300 Stück limitierte Auflage des Minitapes, verschenken! Die Hände voll mit Werbegeschenken mussten wir uns hinsetzen. Das Rolling Rock Team hatte eine witzige Variante eines Ping Pong Turniers aufgebaut. Der Tisch war übersät mit Löchern, Hindernissen, Pokalen und Lampen. Gespielt wurde mit Küchenschneidebrettern. Gewinnen war grösstenteils Glückssache, was die ganze Angelegenheit extrem entspannte und auch die hartesten Homeboys zum Schmunzeln brachte. 

Gutes Stichwort - Gute Stimmung. Selten durfte ich an einem HipHop Festival dieser Grösse eine so gute Stimmung geniessen. Vielleicht lag dies auch am sorgfältig ausgewählten Line Up, welches sich fern von Mainstream Gangster Rappern hielt. An jeder Ecke sah man lachende Gesichter, zufriedene Menschen, gut gelaunte Helfer bei der Arbeit und auch die Acts liessen es sich nicht nehmen sich unter das Volk zu mischeln. Nehmts mir nicht übel, ich weiss bei Gott nicht mehr wer alles noch aufgetreten ist, ausser den Dilated Peoples, weil mich Ami Rap nicht grausam interessiert und ich einfach einen verdammt guten Barkeeper hatte. 

Die Pferderennbahn in Aarau konnte sich auch beim zweiten Teil des Festivals als perfekte Location für einen Anlass dieser Grösse beweisen. Gedeckte Bühne und Zuschauerplätze, gute Akkustik, genug Platz um sich frei zu bewegen. Sehr gut gemacht liebes Veranstalter Team, liebe Helfer, Acts und auch Zuschauer. Ich für meinen Teil hatte dieses Jahr genug von Festivals, trauere keinem Frauenfeld nach, und weine nicht um irgendwelche Stars die ich nur aus 435 Meter Distanz auf der Grossleinwand betrachten kann. (Youtube ist günstiger) freue mich umso mehr, wenn das Festival nächstes Jahr in eine weitere Runde geht und ich mich freuen darf, dass meine Hood fucking good aussieht...!

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