Montag, 15. Dezember 2008

Ein Aargauer in Zürich

Zürich ist eine Stadt für sich. Wenn da auf einer Parkanzeigetafel steht "besetzt" kann das auch genauso gut bedeuten "wir renovieren mitten in der Weihnachtszeit ein komplettes Parkhaus direkt am Bahnhof". Toll finde ich das und drehe eine Ehrenrunde am Bazillus Club vorbei und frage mich tief im Innern ob ich wirklich jemals einen Platz in der Stadt an der Limmat finden werde. Hab ja eine Aargauer Nummer am Auto, was mir eine Art Freipass für falsch Abbiegen und im Rückwärtsgang durch Einbahnstrassen fahren, ausstellt. Viel zu früh finde ich dann aber direkt vor dem Club einen freien Parkplatz und nein, ich habe keine Parkkarte 8035... Im Bazillus angekommen merke ich, dass ich der erste Gast bin, wirsch werde ich vom Clubbetreiber in eine Ecke gestellt. Dann aargauere ich halt ein bisschen vor mich hin, bekomme nichts zu trinken und meine Fragen werden zwar mit "Ja" beantwortet, sind aber keinerlei Grund für den Besitzer eine Handlung daraus zu schliessen. Wie zum Beispiel:

Händ dir en Zigi Automat?

Ja

So mummele ich mich wieder in meinen Mantel, ziehe meine Wollmütze tief über beide Ohren und verlasse erstmal das Lokal. Zigaretten brauche ich, sehe einen Italienerschuppen vis a vis und werde auch dort trotz freundlichem Auftritt meinerseits wie der letzte Aargauer behandelt.

Zigarette? No, hänne mir keine!

Er öffnet die Türe hinter mir und schubst mich vorsichtig in Richtung Treppe.

Gosch Silberkugel, händ sie offe!

Ich trotte zwei Türen weiter, wiederhole meine Frage auch dieser Dame freundlich. Deren Miene verdunkelt sich genau so schnell wie die des Italieners und zeigt mit dem Finger in Richtung der Toiletten. Ja ich bin Aargauer und mein Gott! ich rauche! Winston ist leer, zur Not tun s auch Maroccaine Extra. Unparfümiert wie die Leute hier in Zürich Nicht dass sie schlecht riechen würden, nein, sie machen einfach keinerlei Anstalten anders zu erscheinen als sie sind. Irgendwie mag ich das und begebe mich mit der Kippe im Mundwinkel wieder ins Bazillus. Mittlerweile bekomme ich sogar ein Red Bull vom plötzlich total parfümierten Clubbetreiber.

Sächs Frankkke füfzg bittäää

Wow... jeder bekommt vom Leben was er verdient... Habe ich doch vor kurzer Zeit noch Red Bull Plagiate mit überrissener Marge an arme Rekruten verkauft, so werde ich nun über den Tisch gezogen... Das mach ich aber gerne, will ja nicht dass meine Tarnung auffliegt und die noch bemerken dass ich ein knausriger, weiss sockiger Aargauer bin... Ich setze mich hin, trinke schweigend mein wertvolles Red Bull und beginne diese Zeilen zu schreiben. Das vergoldete Energiegetränk ist leer, ich brauche mehr Koffein... immerhin habe ich fast den ganzen Tag schon darauf verzichtet. An der Bar erlebe ich elend lange Mnuten, die Kaffemaschine funktioniert nicht. Belustigt schau ich der Bardame zu wie sie versucht die blinkenden Signale ihrer Lavazza 300 zu interpretieren. Der gelernte Kaufmann in mir bricht durch, die Frage ob ich schnell schauen soll bejaht sie freudig und die wartenden Kunden am Tresen werfen mir einen dankenden Blick zu. Nach zwei mal rütteln und Trester leeren funktioniert das gute Ding wieder und ich bekomme als Dank einen gratis Kaffee spendiert. Hat sich doch ausgezahlt das KV zu machen. Einsam sitze ich wieder an meinen Tisch zu vorderst an der Bühne. Es herrscht Finanzkrise, ich warte auf den Auftritt vom Altmeister in Person, EKR...

Vor dem Auftritt wil ich mir nochmals einen Kaffee holen und wer hätte es gedacht, die Maschine tut schon wieder beleidigt. Jetzt kann ich meinen kleinen Uri Geller rausholen. Biege einen Löffel und kratze aus den Innereien der Maschine noch zwei Kaffeekapseln hervor. Da hätten wir den Übeltäter, die Bardame ist ab jetzt per Du und auch Ek freuts dass er noch einen Kaffee vor seinem Auftritt bekommt...





Ja dann ist's auch schon vorbei, rede noch kurz mit einem Hater, und will ab in die Toni Molkerei. Habe mich extra auf die Gästeliste schreiben lassen, so wie sich das in Zürich ja auch gehört. Drehe wieder eine Ehrenrunde biss ich den zuverlässigen kleinen Polo auf einem mit Abschleppwagen gekennzeichneten Parkplatz stehen lasse. Vor dem Toni's werde ich relativ zackig darauf aufmerksam gemacht dass es zu spät sei und sowieso sehe ich aus wie ein Aargauer... hat der mich wohl parkieren sehen? So stehe ich also vor dem bald geschlossenen Toni Areal, wechsle ein paar Wörter mit bekannten (JA ich kenne sogar Leute aus Zürich!) da schleicht sich ein mit Mantel, Anzug und Krawatte bewaffneter junger Herr zum Türschleicher. Wehe wenn der reinkommt... Kommt er nicht, schadenfreudig wie ich bin teile ich ihm dies natürlich sofort mit, frage ihn ob er Aargauer ist. Ein nettes

"Fick dich in Arsch mann!"

Kommt zurück. Das will ich dann aber genauer wissen, ich mein das geht doch auch freundlicher, vor allem von einem so fein angezogenen Herrn. Er sei gerade von einem Geschäftsessen gekommen, habe extra ein Billet für 25 Franken gekauft und jetzt lassen sie ihn nicht rein.. Geschäftsessen? Finanzkrise? Sind meine Stichwörter an ihn und kleinlaut gibt er zu bei der Grossbank mit drei Buchstaben zu arbeiten. Aha, es liegt also gar nicht daran dass ich Aargauer bin, es lag schon den ganzen Abend lang an meinem guten Aussehen und dem Mantel...

Donnerstag, 4. Dezember 2008

ELDORADO

Da sitze ich nun wieder mal vor dem Laptop, neben mir stehen noch Salz und Pfeffer von den Pizza Baguettes die ich gerade verdrückt habe. Meine Frau murmelt noch etwas wie "was macht dieser Backhandschuh denn einfach so hier am Boden" und ich gönne mir kurz vor dem wohlverdienten Schlaf noch einen kleinen Schluck Eldorado 15jährigen Rum. Wie es der Zufall so will, releasten gerade gestern meine Lieblingsrapper ein Mixtape mit dem Namen Eldorado FM welches wieder einmal alle Erwartungen in den Schatten stellt, und vorallem aber einfach so aus dem Nichts Massstäbe setzt. Der Untertitel Geilheit ist Programm und süffisant lehne ich mich mit dem Kristallglas in der Hand zurück ins weiche Kissen des Sofas und lasse mir die Lines durch die Ohren jagen. Jegliche Anspannung weicht von mir, die sich in dieser Woche angestaut hat. Morgen früh gehts auf in die weite Welt der Synologys, meine erste Schulung. Das erste Mal dass ich, zwar nur für unsere Firma intern, aber immerhin 30 Minuten lang in Form einer Schulung ein Produkt vorstellen darf. Ich schenke mir ein Glas nach und mache mir Gedanken über Schleichwerbung in Blogs, lasse den würzigen Geruch des schweren Rums in meinem Mund wirken und freue mich, dass ich lebe, dass ich eine tolle Familie habe, eine treue und wunderschöne Freundin und vorallem einen Arbeitsplatz habe an dem ich jeden Tag neue Sachen lerne. Das Glück des Einzelnen liegt in den kleinen Dingen die uns das Leben bietet, mache mir dies wieder einmal bewusst, und wünsche euch allen und auch euren Freunden und der Familie eine schöne Adventszeit...

Vorweihnachtliche Grüsse

Andrea

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